Warum ich DOS Spiele mag

hotte76
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Warum ich DOS Spiele mag

Beitragvon hotte76 » Fr 26. Jul 2019, 08:29

Hallo,

ich muss mal was loswerden.... :-)

Ich bin mit C64 und Dos (mit kurzer SEGA Master System Phase) sozialisiert worden und bin irgendwie in den 90ern hängengeblieben. Ich sammle und spiele (fast) nur DOS-Spiele der VGA/SVGA Ära, also etwa von 1990 bis 1997.
Auch wenn ich ab 1996 bis 2013 im Computer-/Softwarehandel gearbeitet habe, konnte ich mich nie für Spiele aus diesem Jahrtausend begeistern.
Irgendwie kamen mir die Spiele immer als grafisch aufpolierte Versionen alter Spiele und Spielkonzepte vor. Wann gab es denn ein wirklich neues Spielkonzept? 4X? Aufbaustrategie? Shooter? Echtzeit? GTA? Rennspiele? Alles Sachen aus der Dos-Zeit. Die damaligen Spiele waren vielleicht weniger komplex, aber dadurch auch schön zugänglich. Auch bei meiner Lieblingsreihe (Civilization) spiele ich nur die ersten beiden Teile. Das Thema Online-Spiele und Multiplayer ist an mir komplett vorübergegangen. Immer wenn ich mit echten Menschen anderswo spielen soll, verliere ich das Interesse, ich möchte eine gute KI gegen die ich spielen darf ;).
Außerhalb von DOS spiele ich noch etwas auf dem Fire TV, da aber meist "Premium-Spiele" und zwar Brettspiel-Umsetzungen: Scotland Yard, Catan, Zug um Zug etc.

Ich bin jetzt 42 und bin gottfroh nicht heute jung zu sein ;-)
Wenn ich sehe wie heutige Spiele funktionieren wird mir schlecht.
Da gibt es Vollpreis-Spiele wo man erstmal riesige Updates herunterladen muss, oder welche wo man trotzdem noch für Inhalte oder "Season-Passes" bezahlen soll. Die Unsitte ein Spiel mit DLCs zu erweitern finde ich eine Frechheit. Da wird also von vornherein ein Spiel beschnitten um es häppchenweise zu verkaufen. Das gab's zu DOS-Zeiten zwar auch schon, aber das nannte sich entweder Shareware (wie bei Doom) und der erste Test war kostenlos oder es ging wie bei Links um weitere Kurse. Besonders regt mich aber (und das grade im Mobile Bereich) die "In Game Kauf" und "Free2Play" Pest auf, von "Pay2Win" gar nicht zu reden.
Auch der Vertrieb stört mich: Ich möchte DRM freie Ware, und auch keine Spiele die einen Online Zwang haben.
Für mich kommt nur GOG als Online Plattform in Frage.

Ich bin jemand der gern einmal einen Preis zahlt und dann seine Ruhe hat. Ich würde auch im Mobile Bereich für ein Top Spiel 30€ und mehr zahlen. Aber offensichtlich bin ich nicht mehr die Zielgruppe....
Das führt dazu, das ich mir die wenigen Perlen, die es im Android Premium Segment gibt, gekauft habe: Eben die erwähnten Brettspiele, das unfassbar geniale Jump n Run "Leos Fortune" (das schönste Jump n Run das ich jemals gespielt habe) und "Rollercoaster Tycoon Classic". Bei letzterem hat Atari kapiert wie Retro geht: Einfach das klassische RCT portieren und für 5€ veröffentlichen. Das habe ich gerne gekauft.
Fehlt mir wirklich nichts?

Doch! Es gibt 2 Spiele, die leider nach der DOS Ära rausgekommen sind und die ich unglaublich geliebt habe: Anno 1602 und Rollercoaster Tycoon. Für letzteres habe ich ja die Android-Version, aber für Anno gibt es leider nur Siedler 2 als Ersatz, mit dem ich leider nie so ganz warm geworden bin. Bei den Anno-ähnlichen Spielen im Mobile Segment ist es mit In Game Käufen besonders schlimm.... Die sind teilweise unspielbar ohne Echtgeld...

Also werde ich wohl weiter fröhlich Spiele spielen, die ich schon seit 30 Jahren spiele. Das musste ich neulich bei den Perlen meiner absoluten Lieblingsfirma denken: Microprose! Nach einigen Sessions von Gunship 2000, Civ 1, Colonization, Pirates Gold, Silent Service 2 und Railroad Tycoon 1 habe ich mir so gedacht: Was hat diese Firma bloß für zeitlose Klassiker rausgebracht! Einige dieser Spiele sind von 1990 und ich spiele sie seit erscheinen immer und immer wieder. Also seit 30 Jahren! (Ja ich werde alt) ;).
Diese Kombination aus Spielprinzp, Komplexität und Balancing sind in diesen Titeln perfekt und unerreicht.

Ich habe mich gefreut als ich neulich gehört habe, das es Microprose wieder gibt! Die bringen wohl Online-Flugsims raus, aber ruft mal die Seite auf, da sind die alten Spiele auf der Startseite als "Haufen" abgebildet.

https://www.microprose.com/

Schaut euch nur mal diese unglaubliche Menge an richtungsweisenden Spielen an, die damals von denen kamen.....

Ich für mein Teil bin mit Games der Jahre 2000+ "durch", ich habe noch genug Klassiker der 90er auf der Playlist ;)

In diesem Sinne...

Hotte76
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Re: Warum ich DOS Spiele mag

Beitragvon go32 » So 28. Jul 2019, 22:16

Die verlinkte Seite zeigt ein Kriegsspiel. Krieg ist aber kein Spiel. Ich bin DDR Kind und habe unter der Deutschen Teilung gelitten. Ich werde die Aufwand, den die DDR an der Berliner Mauer betrieben hat, damit die Leute im Land bleiben, nie wieder vergessen. Noch heute gucke ich in Berlin, "Bin ich noch in Ostberlin oder schon in Westberlin"? AN der Grünen Grenze achte ich auf die Orte und noch heute empfinde ich ein Gefühl der Freiheit, wenn ich die Neuen Bundesländer verlasse und in die Alten Bundesländer komme.


Hoffentlich begreifen die Fans solcher Kriegsspiele dass ein richtiger Krieg mit solchen Computerklimbim nie und nimmer zu vergleichen ist. Wenn man nämlich wirklich in so einem Flieger drin sitzt und abgeschossen wird. Sollte man den Absturz überleben, kommen vielleicht die Sanitäter wegen der Heftigkeit der Kampfhandlungen gar nicht erst durch. Und die Zivilisten bezahlen am Ende selber ausgebombt die Reparationen an die Allierten! Lest mal Anti Kriegs Romane wie "Im Westen Nichts Neues" oder "Zeit zum Leben Zeit zum Sterben" oder "Die Brücke" oder Die Abenteuer des Werner Holt"! Letzteres war in der DDR Pflichtliteratur in der Schule. Ich jedenfalls halte da meine Knochen nicht hin. Und wie komme ich dazu, den alteingesessenen die Schuhe zu putzen oder deren Dreck nachzuräumen. das sollen die mal schön selber machen. Schauen wir uns dazu auch die aktuielle Politik an, die K(n)arrenbauer will die Wehrpflicht wieder einführen.. Danke! Mit mir nicht. Ich bin allerdings auch eh ausagemustert aus gesundheitlichen Gründen, habe daher eh keine militärische Ausbildung und werde dann erste sein, der an der Front abgeknallt wird. Da kann ich auch gleich Rückgrat zeigen und mich weigern! Auch nach dem nächsten Krieg werden wir es sein, die die Reparationen zahlen.



Was ich an den alten DOS Spielen gut finde ist, mit wie wenig Mitteln damals tolle Spiele kreiert wurden und wie viel Spielspaß so ein 320x200 auflösendes Spiel bringen kann. Und was für Spiellandschaften die Grafiker damit geschaffen haben. Wahnsinn! Und damals musste mit jedem Kilobyte Speicher gegeizt werden. Klar brauchen fotorealistische Spiele wegen der bedeutend höheren Pixelanzahl die berechnet werden muss schnellste Rechner und jedes Pixel und jede Spiellandschaft braucht wiederum gehörig Speicher, aber zu Beginn dieser fotorealistischen Spiele war ich regelrecht schockiert, was für Rechenpower diese Spiele im Gegensatz zu den alten DOS Spielen brauchen. Habe das damals überhaupt nicht verstanden.


Genau so verhielt sich das mit Windows als das aufkam. Warum braucht das auf einmal 8 Megabyte? Ich hatte damals geglaubt, allein die Grafik brauche so viel. Aber das stimmt ja gar nicht. Windows führt eine ganze Reihe neuer Funktionalität ein. Multitasking, Kopieren von Inhalten von einer in die andere Anwendung, eingebaute Netzwerktreiber, die in DOS nachinstalliert werden mussten, verschiebbare Fenster, .... All dieser Komfort braucht natürlich Speicher und Rechenleistung. Und damals habe ich auch die Komplexität des Windows API nicht verstanden, genauer die Notwendigkeit, das so kompliziert zu bauen. Heute weiß ich, dass damit das Verhalten am Sche´reibtisch nachgebildet wurde. Auch am Schreibtisch muss ich mir ein Blatt Papier, einen geeigneten Stift oder Pinsel nehmen und erst dann kann ich etwas zu Papier bringen. Im Windows API muss ich einen Zeichenbereich definieren, einen Stift oder Pinsel initialisieren und erst dann kann ich zeichnen. Und dieses Prinzip wird noch heute angewendet und Uralt Windows Programme laufen zum Teil heute noch. Bis Windows 8 ging das noch problemlos. Erst jetzt unter Windows 10 verweigern einige Uralt Programme den Dienst. Also kann das Windows API nicht so schlecht sein, Mr. Gates hat genau gewusst, was er da programmiert hat. Diese API ist heute noch gültig.
hotte76
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Re: Warum ich DOS Spiele mag

Beitragvon hotte76 » Mo 29. Jul 2019, 07:43

Hi,

ich verstehe Deine Denkweise, teile sie aber nicht.
Ich kenne deine angegebenen Romane zumindest als Film (Die Brücke, Im Western nichts Neues" etc.). Ich bin selber Kriegsdienstverweigerer. Und mich haben die ersten 30min von "James Ryan" mehr geprägt, als jeder andere Film.
Der Film und die beiden oben angegebenen waren sogar Teil meiner Verweigerungsbegründung. Die DDR kenne ich auch aus eigenem Erleben, wenn auch nur durch Verwandschaft dort, die wir öfter besucht haben. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu dem, dort gewohnt zu haben, aber ich weiß etwa wovon Du sprichst.

In Computerspielen macht man eben Dinge, die man in der Realität niemals tun würde: Sei es Kriege führen, viel zu schnell Auto fahren, Leute umbringen etc. Das ist der Grund warum z.B. GTA so ein Erfolg ist.
Ich kann da schon sehr gut Spiel und Realität trennen, wie die meisten Spieler. Deshalb ist ja auch damals die "Killerspiel-Debatte" ins Leere gelaufen. Zumal man auch sagen kann, das z.B. ein Tatort verwerflich ist.
Wenn man so hohe ethische Vorgaben hat, wird es aber eng mit der Spieleauswahl. Grade heute sind doch viele Neuerscheinungen Shooter, oder wie Du sagst "Kriegsspiele". Und in der "guten alten Zeit" war es genauso, viele Spiele haben mit töten im näheren oder weiteren (abstrakteren Sinne) zu tun, von Adventures mal abgesehen. Auch ein Echtzeit-Strategiespiel oder ein 4X Spiel sind letztendlich "Kriegsspiele".

Microprose wurde von "Wild Bill" Stealy und Sid Meier gegründet. "Wild Bill" war Pilot in der Air Force, daher die Obsession für Simulation von Kriegsgerät. Microprose hat aber auch sehr gute friedliche Spiele rausgebracht wie Civilization (man muss keinen Krieg führen, und es gibt Sonderpunkte wenn man es nicht tut), Railroad Tycoon, Grand Prix 2, Rollercoaster Tycoon ;-).

Aber sonst hast Du Recht: Was die zum Teil in der kleinen Auflösung und auf 1-2MB Platz hinbekommen haben ist schlicht beeindruckend. Da machen die heutigen Spielen mit vielen GB noch was vor. Es war einfach die Spielidee und die -mechanik die zählte, nicht die große Grafikpracht. Spiele haben einfach Spass gemacht.
Wenn ich sehe was "civ1", "Railroad Tycoon" oder auch ein "SImcity" mit ca. 2MB so an Spielspass auffahren.....

In diesem Sinne

Schöne Woche

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